Immer wieder stellen sich Kunden in meiner Praxis vor mit einer "Vorgeschichte", die mir im wahrsten Sinne des Wortes die Haare zu Berge stehen lässt.

  • Kunden, die über Jahre mit nur mäßigem Erfolg behandelt wurden (Unterbehandlung!). Eine mir vorgestellte und mit Abstand längste Behandlung einer Achselbehaarung belief sich auf über 100! Stunden.
  • Kunden mit sichtbaren Hautschäden (Überbehandlung? Oder Folge ständiger Unterbehandlungen?).
  • Kunden, die umzugsbedingt in meiner Praxis weiterbehandelt werden wollten und ihre „eigene Epilationsnadel“ mitbrachten (Hygiene!). Würden Sie sich auch beim Arzt „Ihre Kanüle“ mitgeben lassen?

Und das sind nur drei exemplarische Fälle mit denen ich fast wöchentlich konfrontiert werde. Aber wer trägt hier eigentlich die Schuld? Gut, über Hygiene gibt es nichts zu diskutieren. Aber Behandlungsfehler sind in den meisten Fällen eine Folge unzureichender Schulungen, die wiederum eine Folge nicht vorhandener gesetzlicher Mindestanforderungen sind. Den Letzten beißen die Hunde.

Die Situation in Deutschland

Eine Ausbildung im klassischen Sinn gibt es nicht! Schulungsanbieter verkaufen Geräte und Gerätevertriebe bieten Schulungen an. Wer Spaß an der Arbeit an Menschen hat, kann eine 2, 3 oder 4-tägige Schulung besuchen und ein Epilationsgerät erwerben. Kosmetische oder medizinische Vorkenntnisse erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich.

Die Schulungen vermitteln in 16 bis 32 Stunden eine theoretische und praktische Basis, die es anschließend zu festigen und zu erweitern gilt. Das braucht Zeit zum Üben, beim einen mehr, beim anderen weniger. Geschick, Fingerspitzengefühl und Ehrgeiz spielen dabei eine große Rolle. Hinzu kommt, ohne Epilationsgerät kann niemand üben! Die Schulung kostet Geld, das Gerät auch. Manch einer hat noch ein Tagesgeschäft zu bewältigen, da bleibt nicht viel Zeit zum Üben. Und die getätigte Investition muss auch wieder erwirtschaftet werden.

In der täglichen Praxis arbeiten alle für sich. Man versucht Fragen z. B. im Austausch mit Kollegen auf Veranstaltungen oder in Facebook Gruppen zu klären. Jeder gibt sein Bestes und stößt dabei nicht selten an die eigenen Grenzen. Es gibt keine deutschsprachige Fachliteratur, die Weiterbildungsmöglichkeiten sind dürftig und natürlich kostet alles auch wieder Geld. Und so häufen sich die Fragen und die Probleme.

Werfen wir einen Blick über den großen Teich

In den USA sind – abhängig vom jeweiligen Bundesstaat – für die staatliche Zulassung als Elektrologist zwischen 320 Stunden (Florida) und 1100 Stunden (New Hampshire) Unterricht in Theorie und Praxis an einer zugelassenen Schule erforderlich (siehe: Electrology Licensing Requirements). Zusätzlich wird in manchen Staaten der Nachweis der staatlichen Zulassungsprüfung der IBEC = International Board of Electrologist Certification vorausgesetzt. Elektrologisten in den USA haben also nicht nur viel Zeit zum Üben während der Ausbildung, sondern genießen auch den Schutz einer staatlichen Zulassung.

Qualitätsstandards für Elektrologisten in Deutschland?

Die Rahmenbedingungen ermöglichen, dass es eben keine Qualitätsstandards gibt.

  • Keine gesetzlichen Anforderungen an die Schulungsinhalte und die Dauer.
  • Keine einheitliche Abschlussprüfung.
  • Keine Zulassungsbestimmungen.

Im Klartext: Keine Rechtssicherheit für Elektrologisten. Jeder tut, was er kann. Das bedeutet aber auch: Nichts, woran sich Kunden orientieren können.

Und wie kann ich als Kunde trotzdem eine gute Behandlung erkennen?

Nutzen Sie den virtuellen ersten Eindruck!

Inzwischen hat fast jede Praxis eine eigene Homepage mit Informationen und Bildern oder auch einen kurzen Film. Auch Facebook und Google+ Seiten sind mittlerweile Bestandteil der Außendarstellung. Vergleichen Sie, was Sie sehen.

  • Ein breit gefächertes Behandlungsangebot lässt nicht unbedingt auf eine Spezialisierung schließen. Aber gerade eine gute und erfolgversprechende Elektro-Epilation erfordert ein Mindestmaß an Routine. 
  • Bilder sprechen für sich und bieten so einen ersten Eindruck der Geschäftsräume und der behandelnden Personen.
  • Die Informationen über die Elektro-Epilation sollten mehr enthalten, als nur den kargen Hinweis, dass diese Haarentfernungsmethode angeboten wird!
  • Manchen Webseiten sieht man sofort an, dass sie bereits einige Jahre unverändert im Netz stehen. Dies ist aber nicht unbedingt ein Qualitätshinweis.
  • Ein Imagefilm sollte einen Gesamteindruck der Praxis, der behandelnden Fachkraft und der Behandlung vermitteln. Es sei denn, Sie suchen ein Lehrvideo!
  • Suchen Sie nach Empfehlungen und Rezensionen anderer Kunden.

Wie kann man vor Ort Anhaltspunkte erkennen und einschätzen?

Ein Beratungstermin ist das Mindeste, was sie vor dem eigentlichen Behandlungsbeginn erwarten dürfen.

  • Dieser sollte so ausführlich sein, dass sie am Ende eine Entscheidung treffen können.
  • Die Technik sollte erklärt werden.
  • Risiken und Nebenwirkungen müssen besprochen werden.
  • Eine eingehende Anamnese befasst sich auch mit den möglichen Ursachen einer Überbehaarung.
  • Medikamente und Krankheiten müssen unter Umständen berücksichtigt werden.
  • Was ist vor und nach der Behandlung zu beachten?
  • Eine Testbehandlung gehört selbstverständlich zu einem Beratungstermin dazu.

Fragen Sie nach der zu erwarteten Gesamtdauer der Behandlung oder Referenzen. Zugegebenermaßen sind Fragen zum zeitlichen Aufwand nicht immer einfach zu beantworten. Dennoch, man findet im Internet zeitliche Angaben an denen man sich orientieren kann, z. B. hier: http://www.electrolysisinformation.com/costs.htm

Die Testbehandlung umfasst mehr als ein Haar.

  • Im Idealfall dauert eine Testbehandlung 10 bis 15 Minuten.
  • Die Haut wird vor Behandlungsbeginn desinfiziert und eine sterile Epilationsnadel verwendet.
  • Die Behandlung wird gleichmäßig und routiniert durchgeführt.
  • Die gelösten Haare werden widerstandslos entnommen, sie dürfen keinesfalls gezupft werden!

Die Epilationsnadeln sind Einwegnadeln und dürfen nicht wiederverwendet werden.

Das bedeutet, die Nadeln müssen nach jeder Behandlung entsorgt werden. Und zwar in einem verschließbaren Behältnis für kontaminierten Abfall. Fragen Sie nach, ob bei jeder Behandlung eine neue Nadel verwendet wird. Die Kosten einer immer neuen Nadel sollten im Behandlungspreis enthalten sein.

Das Epilationsgerät ist als zweitrangig einzustufen!

Nicht das Gerät epiliert, sondern der Elektrologist. Vorprogrammierte Einstellungen sind de facto so gut wie die Automatikfunktionen einer Digitalkamera. Praktisch, aber nicht optimal! Mit anderen Worten: Gute Elektrologisten holen aus jedem Gerät das Beste raus.

Zertifikate und Verbandszugehörigkeit sind ebenfalls nur sekundär zu bewerten.

Teilnahmezertifikate und Mitgliedsurkunden besagen erst mal nur, dass Schulungen besucht wurden und eine Verbandsmitgliedschaft besteht. Beides ist jedoch faktisch kein Qualitätskriterium.

Schauen Sie sich um in der Praxis!

Nicht die exklusivste Ausstattung macht einen guten Elektrologisten aus, aber Sauberkeit und Hygiene sind obligatorisch.

  • Wird der Liegenbezug nach jedem Kunden gewechselt?
  • Sieht der Behandlungsplatz sauber und aufgeräumt aus?
  • Liegen noch Haare von vorhergehenden Kunden auf der Liege?

Lassen Sie sich nicht drängen!

Sie sollten Ihre Entscheidung für eine Elektroepilatiosbehandlung immer aus Überzeugung treffen. Wenn Sie rundum ein gutes Bauchgefühl haben, spricht nichts dagegen im Anschluss an den Beratungstermin einen Behandlungstermin zu vereinbaren. Sollten Sie sich jedoch unsicher fühlen, gibt es keinen Grund sich jetzt und sofort zu entscheiden, auch wenn ein mögliches Angebot lockt. Angebote gibt es immer wieder!

Fühlen Sie sich gut aufgehoben?

Die Chemie zwischen Ihnen und dem Elektrologist sollte stimmen. Sie vertrauen Ihre Haut einer zunächst völlig fremden Person an. Gegenseitiges Vertrauen ist eine nicht unwesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung. Es ist wichtig auch über unangenehme Dinge sprechen zu können, Bedenken äußern zu können. Die meisten Fragen klären sich sehr schnell, wenn man sie anspricht und zwar in beide Richtungen.

Was tun, wenn Sie nicht überzeugt sind?

Eigentlich ganz einfach, sprechen Sie ihre Bedenken aus. Ein Profi kann mit Kritik umgehen und versuchen Ihre Bedenken auszuräumen, selbstverständlich mit guten Argumenten.
Hilft Ihnen das nicht weiter, dann investieren Sie die Zeit in ein weiteres Beratungsgespräch bei einer anderen Praxis.

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