Wie schmerzhaft ist die Elektroepilation wirklich?
Wenn es um die Elektroepilation geht, hört und liest man die wildesten Beschreibungen, insbesondere bezüglich der Schmerzen. Kein Wunder, bei manchen Menschen lösen bereits die Begriffe "Nadel" und "Strom" ein ungutes Gefühl aus.
Fragt man Elektrologisten, hört oder liest man nicht selten, dass manche Kunden sogar während der Behandlung einschlafen würden. Also ganz ehrlich, wenn die Einstellung nicht viel zu niedrig gewählt wurde oder die Behandlung unter einer Lokalanästhesie durchgeführt wird, dann wird man den Impuls im Haarfollikel spüren. Tatsächlich habe ich in meiner über 20-jährigen Praxis nur ein einziges Mal einen eingeschlafenen Kunden erlebt, der hatte aber die Nacht zuvor auf dem Junggesellenabschied eines Freundes verbracht und war einfach übermüdet. In dem Zustand hätte er vermutlich auch eine Wurzelbehandlung durchführen lassen können. In Wirklichkeit ist die Mär der einschlafenden Kunden eine Marketingaussage von Geräteherstellern und Schulungsanbietern. Warum? Weil sich Geräte und Schulungen besser verkaufen. Kommen dann noch vorprogrammierte Einstellungen und zu dünne Epilationsnadeln zum Einsatz, spürt man tatsächlich selten mehr als ein kurzes Piksen, oft gefolgt von einem kurzen Zupfen des Haares. Das ist dann allerdings wenig professionell und endet oft in unendlich vielen Behandlungen mit schleppenden Erfolgen.
Fragt man Kunden, dann hört sich das meist ganz anders an. Hier reicht die Bandbreite von dem bereits beschriebenen "kurzen Piksen" über "heiße Nadeln" bis hin zu Haaren, die herausgebrannt werden. Bei den letzten Beschreibungen kann man zurecht Angst bekommen, aber ich kann Sie beruhigen, die Nadel wird nicht heiß und die Haare werden auch nicht herausgebrannt. Letzteres würde man riechen und in dem Fall sollte man schleunigst die Elektrologistin oder den Elektrologisten wechseln. Über die "heiße Nadel" habe ich übrigens schon mal geschrieben, siehe: Die Mär der "heißen" Nadel.
Aber wie schmerzhaft ist denn nun die Elektroepilation?
Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Fragen Sie doch mal 10 verschiedene Menschen wie sie den Besuch beim Zahnarzt empfinden. Sie werden 10 verschiedene Antworten bekommen und genauso verhält es sich bei der Elektroepilation. Der Grund ist einfach: Jeder Mensch hat ein anderes Schmerzempfinden. Noch dazu kommt es auf die Art der Behandlung an, Zahnsteinentfernung vs. Wurzelbehandlung. Bei der Elektroepilation ist das vergleichbar mit dem Areal an dem behandelt wird, Unterschenkel vs. Intimbereich. Aber zurück zum individuellen Schmerzempfinden, hier spielen zudem etliche andere Faktoren eine entscheidende Rolle. Die Tagesform, der körperliche oder psychische Gesundheitszustand, der Stresspegel, die Erwartungen und der generelle Umgang mit Schmerzen.
Die Tagesform: Nicht jeder Tag ist gleich. Manchmal steht man morgens auf und könnte Bäume ausreißen und an anderen Tagen möchte man am liebsten wieder die Bettdecke über den Kopf ziehen. Ich muss nicht ausführlich erklären, dass wir an den schlechten Tagen schlicht empfindlicher sind. Hat man ausgerechnet an dem Tag einen Termin zur Elektroepilation, wird die Behandlung eher kein Spaziergang.
Der körperliche oder psychische Gesundheitszustand: Ist man gesundheitlich angeschlagen, dann ist alles anstrengend was man sonst mit Leichtigkeit meistert. Das gilt dann natürlich auch für die Elektroepilationsbehandlung.
Der Stresspegel: Es gibt positiven Stress, der uns beflügelt und es gibt negativen Stress, der das genaue Gegenteil bewirkt. Er zieht uns runter, macht uns kraftlos und müde. Unter negativem Stress können wir uns nicht konzentrieren und empfinden alles um uns herum als störend, auch die freundliche Elektrologistin, die versucht mit einem netten Smalltalk die Behandlung kurzweiliger zu gestalten.
Die Erwartungen: Vielleicht haben Sie gelesen, dass die Behandlung kaum mehr als ein "kurzes Piksen" verursacht und gehen ganz euphorisch zum Beratungstermin. Und dann merken Sie bei der Testbehandlung, dass das kurze Piksen sich deutlich intensiver anfühlt als Sie erwartet haben. Oder aber Sie haben sich auf die schlimmsten zu erwartenden Schmerzen eingestellt und stellen fest, dass es doch gar nicht so schlimm ist, wie Sie dachten. Alles ist möglich! Alles habe ich schon erlebt.
Der generelle Umgang mit Schmerzen: Das ist der Schlüssel zu einer erträglichen Behandlung. Die innere Einstellung hat den größten Einfluss auf das was Sie während einer Elektroepilationsbehandlung empfinden. Wenn sich alles in Ihnen negativ gegen die Behandlung ausrichtet, werden Sie jede Behandlung wie ein Martyrium empfinden. Wenn Sie sich jedoch positiv mit der Behandlung auseinandersetzen, werden Sie die Impulse zwar trotzdem spüren, aber Sie werden diese erheblich besser tolerieren können. Um das besser zu verstehen, hilft Ihnen vielleicht der Erfahrungsbericht eines Kunden. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die amüsante Auseinandersetzung mit der Thematik "Schmerz".
„Autsch!“
Was für Schmerzen habe ich bei der Behandlung zu erwarten? Eine gute Frage, die ich mir im Vorfeld des ersten Termins, dem Vorgespräch mit der kurzen Testbehandlung, gestellt habe. „Ach egal, es wird schon nicht so schlimm sein“. Die übliche Beschwichtigung, mit der man sich gerne in die eigene Tasche lügt. Doch dann kam der Tag und die Testbehandlung startete.
„Autsch“ dachte ich leicht panisch, gefolgt von einem langgezogenen hörbaren „Huuuu!“ (man will sich als Mann ja nicht gleich die Blöße geben). Nach dem ersten Haar, was so von Frau Kronenberger entfernt wurde, merkte ich, ja, es ist mehr „Autsch!“ als gedacht. Nach den nächsten Haarentfernungen in den 15 min war mir klar, es wird nur bedingt „Spaß machen“ aber es sollte für mich machbar sein, auch ohne Betäubung oder Lokalanästhesie, ich muß mich „nur“ entspannen, wie auch immer!
Ich freute mich dann auf den ersten Behandlungstermin, denn die Haare sollten weg, doch Respekt, vor dem, wie ich es meistern werde, dieses „Autsch!“, hatte ich schon. Und ja, der Bereich Steiß und Schritt ist nicht unbedingt die unempfindlichste Zone.
Zwei Stunden habe ich gleich gebucht für den ersten Arbeitstermin! Wie konnte ich nur! Spoileralarm: Es ist machbar!
Für mich, andere mögen es anders empfinden und damit umgehen, war es hilfreich, daß ich mich innerlich darauf einstellte, was auf mich zukam. Es sind Schmerzen. Es ist aber auszuhalten, sie gehen vorbei und die innere Einstellung gibt die Richtung vor, wie man es empfindet.
Der menschliche Körper ist darauf trainiert (hat was mit Überleben und Evolution zu tun), bei Schmerzen weg zu zucken, anzuspannen und wenn möglich die Ursache zu bekämpfen (wenn es denn keine hungrige Säbelzahntigermeute ist, da hilft dann selbst beten nicht mehr). Nun wird das bei der Elektro-Epilation Haaarentfernung nicht hilfreich sein, diesen Urinstinkten zu folgen. So wie bei Gorgonzola hat man die Möglichkeit instinktiv wie ein Kind dem Duft zu weichen und der inneren Einstellung zu folgen: Schimmel ist „bäh“ und blaugrünes verschimmeltes Essen ist „seltsam“. Über diesen Punkt kann man hinwegkommen und so die Tür in eine wunderbare kulinarische Welt aufzustoßen.
Ähnlich ist es bei dem „notwendigen Schmerz“. Ich zahle Geld dafür, daß man mir wehtut. Ok, das klingt jetzt seltsam, also formuliere ich um. Ich zahle Geld und wende mich vertrauensvoll an Frau Kronenberger um die lästigen Haare, mein Problem, wegzubekommen. Frau Kronenberger nimmt sich sorgfältig, freundlich und professionell dieser Aufgabe an.
Als ich so da lag und die Prozedur über mich ergehen lies, wurde mir nach und nach bewußt, sie versucht das Ziel zu verfolgen, für das sie beauftragt wurde und dabei ergebnisorientiert und so vorsichtig wie möglich vorzugehen.
Mir letztlich geholfen hat die Sichtweise, daß sie sich mit einer zärtlichen Fürsorge um mein Problem kümmert. Ich kann mich entspannen und dieser liebevollen Zuwendung ergeben. Jedes einzelne Haar bzw. die Haarwurzel, die hier thermisch verödet wird, schmerzt kurz, aber es geschieht auf eigenem Wunsch zu meinem Besten und das auf eine liebevolle Art und Weise. Um so mehr ich mich entspannen kann bei dem Vorgang, so ruhiger wurde ich. So war es für mich nicht eine unsägliche Dauer, die zu überstehen ist mit einer wachsenden Anhäufung an Schmerzen, sondern ein grundsätzlich guter Vorgang, der immer wieder als notwendige Begleiterscheinung jeweils einen kurzen Schmerz erfordert.
Auf diesem Weg konnte ich die zärtliche Fürsorge, die hinter dem Vorgang steht erkennen, wahrnehmen und als Weg zur Entspannung trotz der vielen kurzen „Autsch“ Momente nutzen. So ging ich entspannt und nach einiger Zeit schon fast mit einer meditativen Schwere durch die 2 Stunden und war sichtlich erstaunt als die Zeit schon rum war.
Jeder mag seinen eigenen Weg finden und manch einer findet Gorgonzola eklig, egal wie er an das Thema Essen ran geht und was ich hier fabuliere. Mir ging es nur darum, den meinen zu schildern und Anstoß zu geben für eine Sichtweise, die aufgrund des angeborenen Fokus auf „Schmerzen!“ einem eventuell entgeht und so einem ein entspannter Weg durch die Behandlung verloren gehen könnte.
Für mich sind die Behandlungen jeweils eine zärtliche Fürsorge, eine liebevolle Zuwendung mit einzelnen kurzen „Autsch“ Momenten. Da jeder „Autsch“ Moment für sich steht und keine Gefahr darstellt, türmen sich diese Momente nicht auf und werden über die Dauer des Termins unerträglich, sondern sind sofort abgeschlossen, bevor der nächste kommt.