Haarwissen: Warum Haare grau und weiß werden
Weiße und graue Haare gelten oft als Zeichen des Älterwerdens – doch dahinter steckt ein klarer biologischer Ablauf. In diesem Beitrag erkläre ich kurz, was im Haar passiert, wenn es seine Farbe verliert – und warum Elektroepilation weiße Haare genauso gut entfernt wie dunkle.
Beim Ersten Elektroepilation Symposium in Landshut habe ich zum Thema „Epilation weißer Haare“ referiert. Im Rahmen meiner Recherchen habe ich mich mit den biologischen Vorgängen beschäftigt, die dafür verantwortlich sind, dass Haare ihre ursprüngliche Farbe verlieren.
Die Ursache für weiße Haare liegt in den Melanozyten. Je älter wir werden, desto langsamer funktioniert unser Stoffwechsel. Das bedeutet auch, dass sich die Zellteilung verlangsamt – nicht nur in der Haut, sondern auch im Haarfollikel. Haare werden dadurch dünner. Gleichzeitig wird weniger Melanin (Farbpigment) produziert und in die Haare eingebunden. Die fehlende Farbe wird teilweise durch kleine Luftbläschen im Haarschaft ersetzt, und Luft ist bekanntermaßen durchsichtig.
Wissenschaftliche Untersuchungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der University of Bradford in Großbritannien haben zudem bereits 2009 gezeigt, dass mit zunehmendem Alter Wasserstoffperoxid (H₂O₂) im Haarfollikel verstärkt gebildet und nur noch langsam abgebaut wird. Wasserstoffperoxid greift dabei unter anderem das Enzym Tyrosinase an, das für die Bildung von Melanin entscheidend ist. Wird Tyrosinase dauerhaft geschädigt, kommt die Melaninproduktion ins Stocken, bis schließlich gar kein Melanin mehr gebildet werden kann und die Haare von der Wurzel bis zur Spitze vollständig weiß erscheinen.
Warum Elektroepilation unabhängig von der Haarfarbe funktioniert
Für die Elektroepilation ist dieses Wissen über den Haarfollikel wichtig – die Haarfarbe selbst spielt jedoch keine Rolle. Haare wachsen aus einer Umstülpung der Haut, dem Haarfollikel. Dort teilen sich die Keratinozyten; aus ihnen entsteht das Haar. Für eine dauerhafte Haarentfernung muss genau dieser Bereich mit allen haarbildenden und vorhandenen Stammzellen so geschädigt werden, dass keine Zellteilung mehr stattfinden kann – und damit aus diesem Follikel kein Haar mehr nachwächst.
Der entscheidende Vorteil der Elektroepilation besteht darin, dass sie direkt im Haarfollikel ansetzt. Alles, was für die Behandlung benötigt wird, ist ein sichtbares Haar, eine sterile Epilationssonde und ein Epilationsgerät. Das herausragende Haar zeigt Richtung und Winkel des Follikels an. Entlang dieses „Leitfadens“ wird die feine Sonde in den Follikel geführt. Sitzt die Sonde exakt in der Zielregion, wird über einen Fußschalter ein definierter Impuls ausgelöst. Dadurch werden die haarbildenden Zellen im Follikel gezielt so geschädigt, dass sie ihre Teilungsfähigkeit verlieren. Das Haar lässt sich anschließend widerstandslos entnehmen – und aus diesem Haarfollikel wird dauerhaft kein neues Haar mehr wachsen. Weil der Strom im Follikel direkt auf die haarbildenden Zellen wirkt, ist die Elektroepilation unabhängig von der Haarfarbe: Sie funktioniert bei dunklen, blonden, rötlichen, grauen und komplett weißen Haaren gleichermaßen.
Quellen:
https://idw-online.de/de/news304621 (Abgerufen: Juli 2026)
https://presse.uni-mainz.de/molekularer-mechanismus-fuer-die-grau-und-weissfaerbung-von-haaren-aufgedeckt/ (Abgerufen: Juli 2026)